Der Deutschland-Index soll eine einfache, nachvollziehbare Antwort auf eine zentrale Frage geben:
Wie gut sind die strukturellen Voraussetzungen Deutschlands für Wohlstand, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die Zukunftsfähigkeit des Landes – und wie verändern sie sich von Jahr zu Jahr?
Der Index ist ausdrücklich kein kurzfristiger Konjunkturindikator. Er soll nicht nur abbilden, ob das deutsche BIP in einem bestimmten Jahr wächst oder schrumpft. Vielmehr soll er die langfristige Qualität des Standorts Deutschland messen und widerspiegeln.
Damit soll sichtbar werden, was in der öffentlichen Diskussion häufig nur isoliert betrachtet wird: Bildung, Produktivität, Bürokratie, Arbeitsmarkt, Steuern, Staatsfinanzen, Innovation, Energiepreise, Infrastruktur und wirtschaftliche Dynamik.
Die Auswahl der Faktoren orientiert sich dabei auch an den strukturellen Problembereichen, die beispielsweise die OECD für Deutschland identifiziert: hohe administrative Belastungen und Wettbewerbsbarrieren, Fachkräfteengpässe, schwache Produktivitätsdynamik, Bildungsfragen, Infrastrukturdefizite und die langfristige Tragfähigkeit der Staatsfinanzen.
Was macht der Deutschland-Index nun genau?
Der Index führt zehn unterschiedliche, objektiv messbare Kennzahlen zu einer einzigen Gesamtkennzahl zusammen.
Dabei werden unter anderem Daten der OECD, Eurostat und Weltbank verwendet. Das ist wichtig, weil der Index dadurch nicht auf einer selbst entwickelten politischen Einschätzung beruht, sondern auf etablierten internationalen Datenquellen.
Die zehn Bereiche sind (inkl. Gewichtungen):
Produktivität – 15 %
Bildung – 12 %
Bürokratie und Regulierung – 12 %
Arbeitsmarkt und Fachkräfte – 10 %
Steuern und Abgaben – 10 %
Staatsfinanzen – 10 %
Innovation – 10 %
Energie- und Standortkosten – 8 %
Infrastruktur und Digitalisierung – 7 %
Wirtschaftsdynamik – 6 %
Damit werden sowohl die Voraussetzungen für wirtschaftlichen Erfolg als auch die finanzielle und institutionelle Stabilität Deutschlands erfasst.
Der Index wurde im Jahr 2026 aufgelegt und beginnt daher dort bei 100 Punkten. Für die Jahre zuvor wurde er mit den jeweiligen Zahlen zurückgerechnet.
Entscheidend ist also nicht, ob 100 Punkte „gut“ oder „schlecht“ sind. Die Entwicklung des Index ist die zentrale Aussage.
Der Deutschland-Index wird damit zu einer Art wirtschaftlichem Fieberthermometer Deutschlands.
Warum braucht Deutschland einen solchen Index?
Deutschland verfügt über eine große Zahl hervorragender Einzelstatistiken. Das Problem ist jedoch, dass diese Statistiken meistens isoliert nebeneinanderstehen.
Es gibt beispielsweise:
PISA für Bildung, OECD-Daten zur Produktivität, Eurostat für Staatsverschuldung und Energiepreise, Daten zur Beschäftigung, usw. Und jede einzelne Zahl beantwortet eine bestimmte Frage.
Der Deutschland-Index beantwortet dagegen eine übergeordnete Frage:
Wie entwickelt sich Deutschland insgesamt als Wirtschafts- und Lebensstandort?
Genau darin liegt der Mehrwert.
Ein Beispiel:
Deutschland kann gleichzeitig bei Forschung und Entwicklung stark sein, bei Bildung schwächer werden, steigende Arbeitskosten haben, hohe Energiepreise aufweisen,
unter zunehmender Bürokratie leiden, aber gleichzeitig seine Infrastruktur verbessern.
Eine einzelne Kennzahl kann diese Entwicklung nicht abbilden.
Der Deutschland-Index macht aus diesen unterschiedlichen Entwicklungen ein Gesamtbild.
Dies kommt zwar der Quadratur eines Kreises gleich, aber es wurde im Vorfeld hierzu sehr genau überlegt, welche Kennzahlen man mit welcher Gewichtung einbauen möchte, um einen möglichst aussagekräftigen Index zu erstellen.
Der Index soll auch ausdrücklich nicht politisch „vorgegeben“ sein. Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist nämlich die methodische Neutralität.
Der Index soll nicht danach fragen: „Welche politische Maßnahme finden wir gut?“
Sondern: „Was zeigen die Daten?“
Beispielsweise wird nicht bewertet, ob eine bestimmte Energieform politisch wünschenswert ist. Stattdessen wird gemessen, welche Energiekosten Unternehmen tatsächlich tragen müssen.
Auch bei der Bürokratie wird nicht einfach behauptet, Deutschland sei „zu bürokratisch“. Stattdessen wird ein international vergleichbarer Indikator verwendet. Eine Bewertung wird ggfs. erst in dem Kommentar zur jeweiligen Veröffentlichung des Index vorgenommen, der auf eben jenen Daten und Fakten basiert und auf die Gründe für die Entwicklungen eingeht.
Der Deutschland-Index als jährlicher „Deutschland-TÜV“.
Der Deutschland-Index ist der jährliche TÜV für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
Nicht im Sinne einer rein politischen Bewertung, sondern als regelmäßige Bestandsaufnahme.
Wie bei einem technischen Prüfbericht wird nicht nur gefragt:
„Funktioniert das Auto noch?“
sondern:
„Wie gut ist es insgesamt aufgestellt – und wo zeigen sich Verschleiß und Probleme?“
Übertragen auf Deutschland:
Wie leistungsfähig ist unsere Land und wo hapert es?
So entsteht über die Jahre ein öffentliches Monitoring der Standortentwicklung Deutschlands.
Die öffentliche Debatte konzentriert sich häufig auf kurzfristige Ereignisse:
ein neues Gesetz, eine neue Steuer, eine Wahl, ein neues Konjunkturprogramm,
ein Quartalswachstum, einen einzelnen Investitionsstandort. Eben auf die tägliche operative Ebene. Der Deutschland-Index setzt dagegen eine langfristige Perspektive – die strategische Ebene.
Er fragt nicht: „Was ist heute passiert?“
Sondern: „Ist Deutschland als Standort auf dem richtigen Weg?“
Die OECD kommt in ihrer Deutschlandanalyse ebenfalls zu dem Schluss, dass strukturelle Reformen bei Produktivität, Regulierung, Fachkräften, Bildung, Infrastruktur und Staatsfinanzen entscheidend für das zukünftige Wachstumspotenzial sind.
Damit bildet der Deutschland-Index genau die Ebene ab, die zwischen Tagespolitik und langfristiger volkswirtschaftlicher Entwicklung liegt.
Das langfristige Ziel
Kurz gesagt: Der Deutschland-Index soll keine weitere Statistik unter vielen sein.
Er soll ein jährlicher Referenzwert für die Frage werden, wie zukunftsfähig Deutschland als Wirtschafts- und Lebensstandort ist.
Ein Wert. Zehn Faktoren. Klare Gewichtungen. Objektive Daten. Jedes Jahr neu berechnet. Über Jahrzehnte vergleichbar.
Denn wenn man die Entwicklung Deutschlands wirklich beurteilen möchte, reicht es nicht, jeden Tag auf die nächste Schlagzeile zu schauen. Man muss messen, ob sich das Land langfristig verbessert – oder verschlechtert.
Dafür soll der Deutschland-Index stehen.
September 2026 // Bastian Hanauer
