Was ein Kraftwerk wirklich abgibt

Die Zahlen stammen nicht von einem Lobbyverband, sondern vom bayerischen Umweltministerium. Sie sind erstaunlich unspektakulär.

Für Kernkraftwerke gilt in Deutschland ein Grenzwert von 0,3 Millisievert pro Jahr für Menschen, die direkt am Zaun wohnen. Tatsächlich erreicht wurde in der Praxis regelmäßig weniger als 0,01 Millisievert.Zum Vergleich, dieselbe Quelle: Die natürliche Strahlenbelastung in Deutschland liegt bei etwa 2,4 Millisievert im Jahr. Medizinische Anwendungen — Röntgen, CT — bringen im Schnitt weitere 1,5 Millisievert.
Wer am Zaun eines Kernkraftwerks wohnt, bekommt also deutlich weniger ab als bei einer einzigen Computertomographie.
Die zweite Zahl aus derselben Quelle betrifft die Alternative. Ein Steinkohlekraftwerk mit 1.300 Megawatt setzt im Jahr rund 3.500 Tonnen Schwefeldioxid frei, 5.500 Tonnen Stickoxide, 300 Tonnen Stäube — und zehn Millionen Tonnen Kohlendioxid. Moderne Reinigungsanlagen sind dabei bereits eingerechnet.
Zehn Millionen Tonnen. Aus einem einzigen Kraftwerk. In einem Jahr.
Man kann gegen Kernkraft sein. Es gibt gute Gründe: die ungelöste Endlagerfrage, die Kosten, die Bauzeiten, das Restrisiko. Über all das lässt sich streiten, und man sollte es tun.
Nur nicht mit der Strahlung im Normalbetrieb. Die ist messbar, sie ist dokumentiert, und sie ist kleiner als das Röntgenbild beim Zahnarzt.
Long story short
Wenn eine Debatte über Jahrzehnte mit einem Argument geführt wird, das die zuständige Behörde selbst nicht stützt, dann geht es nicht um Fakten. Dann geht es um etwas anderes.
Was genau, und warum ausgerechnet 2023 abgeschaltet wurde, ist ein längeres Kapitel.

 


Alexander Zellner, mehr dazu in dem Buch „Beyond politics“ Warum Fakten, wenn es Meinung gibt? ( Ab 01.10.2026 auf Amazon erhältlich)

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