Klimawandel – zwischen Wissenschaft und neuer Staatsreligion

Es gibt Sätze, die man heute aussprechen muss, bevor überhaupt eine Diskussion beginnen darf – die neue Klimareligion zeigt ihre Macht.

Ich leugne den Klimawandel nicht.

Ich bestreite nicht, dass CO₂ einen Einfluss auf das Klima hat.

Ich halte Umwelt- und Naturschutz für wichtig.

Erst wenn diese Bekenntnisse abgelegt sind, darf man offenbar eine Frage stellen, die in einer aufgeklärten Gesellschaft eigentlich selbstverständlich sein sollte:

Sind wir sicher, dass wir die ganze Geschichte kennen?

Denn manchmal wirkt es, als habe die moderne Klimadebatte ihre Wurzeln weniger in der Wissenschaft als in einer neuen Form gesellschaftlicher Gewissheit. Es gibt eine offizielle Lehre, es gibt Ketzer und es gibt Erlösungsversprechen. Wer Zweifel anmeldet, wird nicht selten moralisch bewertet, statt sachlich widerlegt.

Dabei erzählt die Geschichte unseres Planeten eine andere Geschichte. (zB Doggerland)

Doggerland lag einst dort, wo heute Fischer über die Nordsee fahren. Beringia verband zwei Kontinente, die heute durch eine Meerenge getrennt sind

.

In den Rocky Mountains kommt unter schmelzendem Eis ein uralter Wald zum Vorschein, der dort wuchs, lange bevor irgendein Mensch an Verbrennungsmotoren dachte

.

Diese Funde beweisen nicht, dass der Mensch keinen Einfluss auf das Klima hat.

Aber sie erinnern an etwas, das in der öffentlichen Debatte erstaunlich selten vorkommt:

Das Klima war nie statisch.

Die Erde ist kein Uhrwerk, das bis zur Industrialisierung gleichmäßig lief und erst durch den Menschen aus dem Takt gebracht wurde. Sie ist ein hochkomplexes System aus Sonne, Ozeanen, Wolken, Vulkanen, Meeresströmungen und natürlichen Zyklen, die wir bis heute nicht vollständig verstehen.

Und trotzdem wird die öffentliche Diskussion oft auf eine einzige Variable reduziert.

CO₂ wird zum universellen Erklärungsmodell.

Es entsteht der Eindruck, als könne man das Schicksal eines Planeten auf eine politische Formel herunterbrechen und als gäbe es für jedes Hochwasser, jede Dürre und jede Hitzewelle bereits einen feststehenden Schuldigen.

Kaum kündigt sich ein starker El Niño an, beginnen die bekannten Rituale. Schlagzeilen überschlagen sich. Ausnahmezustände werden ausgerufen.

Dabei hatte die Welt bereits 1877 ein El-Niño-Ereignis von historischer Wucht erlebt – mit verheerenden Folgen für Millionen Menschen. Wo waren damals die SUVs oder Kohlekraftwerke?

Warum scheint die Klimageschichte immer erst dort zu beginnen, wo sie in die politische Erzählung passt?

Vielleicht, weil einfache Geschichten besser funktionieren als komplizierte Wahrheiten.

Die Geschichte vom Menschen als alleiniger Verursacher und gleichzeitigem Erlöser ist verständlich. Sie bietet klare Verantwortlichkeiten und klare Handlungsanweisungen. Sie teilt die Welt in Gut und Böse.

Doch die Natur kennt keine Moral.

Sie kennt nur Physik.

Und Physik ist selten einfach.

Ich habe den Eindruck, dass wir einen gefährlichen Punkt erreicht haben. Wissenschaft lebt vom Zweifel. Sie lebt davon, dass Theorien hinterfragt und Modelle verbessert werden. Doch in der Klimadebatte scheint Zweifel zunehmend als moralisches Problem verstanden zu werden.

Wer nach der Rolle der Sonne fragt, gilt schnell als Verdächtiger.

Wer auf historische Klimaschwankungen hinweist, wird zum Außenseiter.

Wer den Nutzen nationaler Alleingänge bezweifelt, wird nicht selten behandelt, als stelle er die Naturgesetze infrage.

Dabei müsste die entscheidende Frage lauten:

Was nützt den Menschen am meisten?

Macht es wirklich Sinn, den Eindruck zu vermitteln, Deutschland könne mit enormen wirtschaftlichen Opfern das Weltklima retten?

Oder wäre es vernünftiger, einen größeren Teil unserer Kraft darauf zu verwenden, uns gegen Klimaextreme zu schützen – unabhängig davon, wodurch sie verursacht werden?

Hochwasserschutz.

Widerstandsfähige Städte.

Waldumbau.

Sichere Wasserreserven.

Ein funktionierender Katastrophenschutz.

All das hilft, wenn die Natur uns ihre Macht zeigt – ganz gleich, ob die Ursache in einem El Niño, einer natürlichen Klimaschwankung oder im Einfluss des Menschen liegt.

Vielleicht besteht die größte Selbstüberschätzung unserer Zeit darin zu glauben, wir könnten das globale Klima mit politischen Beschlüssen steuern, während wir gleichzeitig verlernen, uns an die Natur anzupassen.

Ich glaube nicht, dass die Wissenschaft das Problem ist.

Ich glaube, das Problem beginnt dort, wo die politische Gewissheit die Wissenschaft ersetzt und Zweifel als Störung empfunden werden.

Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der Anpassung an eine Welt, die sich ständig verändert hat.

Vielleicht sollten wir uns daran erinnern.

Nicht aus Gleichgültigkeit gegenüber dem Klima.

Sondern aus Respekt vor seiner Komplexität.

 


 

Dr. Herbert Münch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen