Noch vier Tage bis zur Fußball WM – die Teilnahme des Iran wirft Fragen auf
Die Doppelstandards in der öffentlichen Diskussion der Menschenrechte
Wer Israel wegen des Gaza-Krieges kulturell ächten will, sollte wenigstens den Mut haben, dieselben moralischen Maßstäbe überall anzulegen. Genau das passiert aber nicht – und darin liegt die ganze Scheinheiligkeit der aktuellen Debatte.
Mehrere Länder haben den Eurovision Song Contest aus Protest gegen Israels Teilnahme boykottiert oder entsprechende Forderungen erhoben, weil Israel angeblich nicht mehr Teil der „Wertegemeinschaft“ sein dürfe. Gleichzeitig wird kaum darüber diskutiert, dass der Iran an der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 teilnehmen wird – ohne vergleichbare Boykottaufrufe oder politische Konsequenzen.
Dabei handelt es sich beim Iran um ein Regime, das Hamas über Jahre finanziert, bewaffnet und ideologisch unterstützt hat. Ein Regime, das Frauen systematisch unterdrückt, Demonstranten auf offener Straße erschießen oder hinrichten lässt und Oppositionelle brutal verfolgt.
Wer Israel isolieren will, aber zu diesen Zuständen schweigt oder sie relativiert, betreibt keine konsequente Menschenrechtspolitik, sondern selektive Empörung.
Dabei wird oft ein entscheidender Punkt verdrängt: Israel ist keine Terrororganisation und keine Diktatur, sondern ein demokratischer Staat mit einem unverhandelbaren Existenzrecht. Dieses Existenzrecht steht nicht zur Abstimmung – auch nicht nach einem Krieg, der durch das Hamas-Massaker vom 7. Oktober ausgelöst wurde.
Man kann Israels Regierung kritisieren, militärische Entscheidungen hinterfragen und über Verhältnismäßigkeit diskutieren. Das gehört zu einer offenen Demokratie. Aber wer Israel pauschal delegitimiert oder kulturell aus der internationalen Gemeinschaft drängen will, während autoritäre Regime und Unterstützer islamistischen Terrors weiterhin selbstverständlich an internationalen Veranstaltungen teilnehmen dürfen, offenbart einen massiven Doppelstandard.
Besonders deutlich wird dieser Widerspruch bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Am 15. Juni 2026 trifft der Iran in Los Angeles auf Neuseeland und nimmt damit ganz selbstverständlich an dem größten Sportereignis der Welt teil. Weder werden Mannschaften zum Boykott aufgefordert noch wird ernsthaft über einen Ausschluss des iranischen Regimes diskutiert. (FIFA World Cup 2026™ Suites)
Denn echte Menschenrechtsprinzipien gelten universell – oder sie sind am Ende nur politische Werkzeuge gegen ausgewählte Staaten.
Besonders fragwürdig wirkt es, wenn Länder wie die Niederlande oder Spanien einen kulturellen Boykott Israels unterstützen oder fordern, gleichzeitig aber 2026 bei der Fußball-Weltmeisterschaft selbstverständlich gegen oder neben den Iran antreten. Wer den Ausschluss Israels mit moralischen Argumenten begründet, muss erklären, warum dieselben Maßstäbe nicht auch für andere Staaten gelten. Andernfalls bleibt der Eindruck bestehen, dass hier nicht universelle Prinzipien gelten, sondern politische Doppelstandards.
Dr. Herbert Münch
