Der Gründergeist lebt – und genau darauf sollten wir aufbauen.
Wir reden in Deutschland sehr viel darüber, was nicht funktioniert. Und wenn wir ehrlich sind: Dafür gibt es genug Gründe.
| Deutschland hat erhebliche Probleme. Aber die Menschen haben nicht aufgegeben. 2025 wurde deutlich mehr gegründet als im Vorjahr. Darauf kann freiheitliche Politik aufbauen. |
Unsere Wirtschaft kommt seit Jahren kaum vom Fleck. Unternehmen kämpfen mit Bürokratie, hohen Kosten und immer neuen Vorgaben. Genehmigungen dauern zu lange. Infrastruktur wurde vernachlässigt. Der Staat wird größer, teurer und komplizierter, ohne dass der Bürger an jeder Stelle den Eindruck bekommt, dafür auch einen besseren Staat zu erhalten.
Das alles gehört angesprochen.
Auch wir als Allianz für Freiheit tun das. Und das ist richtig.
Aber ich glaube, wir machen einen Fehler, wenn daraus unser einziges politisches Stimmungsbild wird.
Wenn wir nur noch darüber sprechen, was in Deutschland schlecht läuft, entsteht irgendwann zwangsläufig der Eindruck, dass dieses Land insgesamt schlecht läuft. Dass die Menschen resigniert haben. Dass niemand mehr etwas leisten möchte. Dass Eigenverantwortung, Unternehmergeist und der Wille, etwas aufzubauen, ebenfalls verschwunden sind.
Das stimmt schlicht nicht.
Und genau deshalb sollten wir als Allianz für Freiheit nicht nur darüber sprechen, was wir verhindern wollen. Wir müssen auch darüber sprechen, worauf wir aufbauen wollen.
Denn Freiheit ist nicht nur die Abwesenheit von Verboten und staatlicher Bevormundung.
Freiheit muss Menschen die Möglichkeit geben, etwas aus ihr zu machen.
Und wenn man sich die Entwicklung der Gründungstätigkeit in Deutschland anschaut, gibt es tatsächlich einen Grund für Optimismus.
Keinen naiven Optimismus. Kein ‚Deutschland ist wieder Wirtschaftswunderland‘. Davon sind wir weit entfernt.
Aber einen sehr konkreten Grund zu sagen: Der Gründergeist in diesem Land ist nicht tot. Ganz im Gegenteil.
690.000 Menschen haben sich 2025 selbstständig gemacht
Die KfW kommt in ihrem aktuellen Gründungsmonitor für das Jahr 2025 auf rund 690.000 Existenzgründungen.
2024 waren es noch rund 585.000.
Das ist innerhalb eines Jahres ein Anstieg von knapp 18 Prozent. Die sogenannte Gründungsintensität stieg von 115 auf 136 Gründungen je 10.000 Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren.
Diese Zahl sollte man nicht größer machen, als sie ist.
690.000 Existenzgründungen sind nicht 690.000 neue Unternehmen mit Mitarbeitern, Werkshallen und Millionenumsätzen. Die KfW verwendet bewusst einen breiten Gründungsbegriff. Erfasst werden unter anderem Voll- und Nebenerwerb, gewerbliche und freiberufliche Gründungen sowie Neugründungen und Übernahmen. Die Daten basieren auf einer repräsentativen Befragung von 50.000 Personen.
Trotzdem ist die Entwicklung bemerkenswert.
Denn 2025 wurde in Deutschland deutlich mehr gegründet als im Vorjahr.
Und das Interessante steckt vor allem im Detail.
Rund 483.000 dieser Gründungen fanden im Nebenerwerb statt, etwa 206.000 im Vollerwerb. Damit entfielen 70 Prozent der Gründungen auf den Nebenerwerb – ein bislang unerreichter Anteil.
Jetzt kann man natürlich sofort wieder das Haar in der Suppe suchen.
‚Das sind ja nur Nebenerwerbsgründungen.‘
‚Die trauen sich nicht richtig.‘
‚Das sind doch keine echten Unternehmer.‘
Ich sehe das anders.
Der Küchentisch ist manchmal der Anfang eines Unternehmens
Was bedeutet Nebenerwerb denn in der Realität?
Da sitzt jemand tagsüber ganz normal in seinem Beruf und baut sich abends etwas Eigenes auf.
Vielleicht programmiert er eine Software.
Vielleicht bietet eine Ingenieurin eine spezialisierte Dienstleistung an.
Vielleicht übernimmt ein Handwerker zusätzliche Aufträge.
Vielleicht entwickelt jemand ein Produkt und versucht zum ersten Mal, es tatsächlich zu verkaufen.
Vielleicht startet ein Onlineshop.
Vielleicht ist es am Anfang auch nur ein Laptop am Küchentisch.
Warum sollte das weniger wert sein?
Unternehmertum beginnt nicht mit einem Büro, zehn Beschäftigten und einer GmbH.
Es beginnt damit, dass jemand eine Idee hat und bereit ist, selbst ein Risiko einzugehen.
Genau das passiert hier.
70 Prozent der Gründer waren vor ihrer Gründung abhängig beschäftigt. Gut vier von zehn starteten ihre Gründung sogar hybrid und behielten zunächst ihr bestehendes Arbeitsverhältnis. Bei Nebenerwerbsgründungen waren es 59 Prozent.
Das halte ich nicht für feige.
Ich halte es für vernünftig.
Wer Familie hat, einen Kredit bezahlt oder schlicht seinen Lebensunterhalt sichern muss, kündigt nicht am Montagmorgen seinen Job, nur weil er am Wochenende eine gute Idee hatte.
Er probiert sie aus.
Er sucht erste Kunden.
Er schaut, ob jemand überhaupt bereit ist, für seine Idee Geld zu bezahlen.
Und genau an dieser Stelle passiert etwas, das für eine freiheitliche Wirtschaftsordnung entscheidend ist:
Nicht ein Ministerium entscheidet, ob diese Idee gut ist.
Nicht eine Behörde.
Nicht irgendein politischer Ausschuss.
Der Kunde entscheidet.
Der Markt entscheidet.
Funktioniert die Idee, kann daraus mehr werden.
Funktioniert sie nicht, muss der Gründer nachbessern oder etwas anderes versuchen.
Das klingt fast banal.
Ist es aber nicht.
Das ist Marktwirtschaft.
Und ja: Menschen gründen auch, weil sie mehr Geld verdienen wollen
Auch die Motive hinter diesen Gründungen finde ich interessant.
Bei den Nebenerwerbsgründern gaben 2025 40 Prozent ein höheres oder zusätzliches Einkommen als wichtigsten Grund für die Gründung an. 15 Prozent wollten in erster Linie eine konkrete Geschäftsidee ausprobieren. Die KfW weist zugleich darauf hin, dass der schwächere Arbeitsmarkt zur höheren Gründungstätigkeit beigetragen haben könnte.
Auch daraus könnte man wieder ausschließlich eine schlechte Nachricht machen.
‚Die Menschen müssen nebenher arbeiten, weil das Geld nicht mehr reicht.‘
Das wird bei einem Teil sicherlich eine Rolle spielen.
Aber wir sollten uns den anderen Teil genauso anschauen.
Menschen möchten mehr verdienen und versuchen deshalb, selbst etwas dafür zu tun.
Ich finde, dass wir in Deutschland darüber viel zu selten positiv sprechen.
Geld verdienen zu wollen ist kein moralischer Makel.
Gewinn zu erwirtschaften ist nichts Anrüchiges.
Und Erfolg muss man nicht rechtfertigen.
Wenn jemand ein Produkt entwickelt oder eine Dienstleistung anbietet und ein anderer Mensch freiwillig bereit ist, dafür Geld zu bezahlen, dann entsteht wirtschaftlicher Wert.
Wenn das Unternehmen gut läuft, entsteht Gewinn.
Aus Gewinn können Investitionen entstehen.
Aus Investitionen Wachstum.
Und aus Wachstum vielleicht irgendwann Arbeitsplätze.
So funktioniert eine Marktwirtschaft.
Eigentlich.
Wir haben uns nur daran gewöhnt, Unternehmern sehr ausführlich zu erklären, welche gesellschaftliche Verantwortung sie tragen. Vielleicht sollten wir gelegentlich auch wieder anerkennen, dass sie überhaupt erst einen erheblichen Teil dessen erwirtschaften, was unsere Gesellschaft anschließend verteilen kann.
Und dann ist da die junge Generation
Dieser Punkt hat mich bei den Zahlen am meisten überrascht.
Wir diskutieren seit Jahren darüber, dass junge Menschen angeblich nichts mehr leisten wollen.
Work-Life-Balance.
Vier-Tage-Woche.
Keine Lust auf Verantwortung.
Zu hohe Ansprüche.
‚Generation Z‘.
Ich halte viele dieser pauschalen Urteile ohnehin für billig. Aber die Gründungszahlen passen endgültig nicht in dieses Bild.
40 Prozent der Gründerinnen und Gründer des Jahres 2025 waren jünger als 30 Jahre.
Das entspricht dem Rekordwert des Vorjahres.
2002 lag dieser Anteil erst bei 30 Prozent. Das Durchschnittsalter der Gründer sank 2025 auf 34,2 Jahre. 22 Prozent der Gründer unter 30 kamen unmittelbar aus dem Studium.
Das ist doch eine gute Nachricht.
Ganz offensichtlich gibt es sehr viele junge Menschen, die eben nicht darauf warten, dass ihnen jemand erklärt, wie ihr Leben auszusehen hat.
Sie probieren Dinge aus.
Sie wollen unabhängig sein.
Sie wollen mehr verdienen.
Sie haben Ideen.
Und sie sind bereit, dafür Verantwortung zu übernehmen.
Genau das sollte uns als Allianz für Freiheit interessieren.
Denn Eigenverantwortung darf für uns nicht einfach ein Begriff sein, den wir irgendwo in ein Grundsatzpapier schreiben.
Hier findet Eigenverantwortung ganz praktisch statt.
Jemand sagt: Ich probiere das. Ich investiere meine Zeit. Vielleicht auch mein Geld. Vielleicht funktioniert es. Vielleicht auch nicht. Aber die Entscheidung treffe zunächst ich.
Das ist Freiheit.
Und selbstverständlich gehört dazu auch die Freiheit zu scheitern.
Eine Gesellschaft, die jeden Menschen vor jedem wirtschaftlichen Risiko schützen will, muss ihm irgendwann zwangsläufig auch immer mehr Entscheidungen abnehmen.
Das kann nicht unser Verständnis von Freiheit sein.
Die Zahlen sind kein statistischer Ausreißer einer einzigen Untersuchung
Gerade weil diese Entwicklung so gut in unseren politischen Blick passt, müssen wir besonders vorsichtig sein.
Es wäre billig, einfach nur die Zahlen herauszusuchen, die unsere Meinung bestätigen.
Deshalb ist der Vergleich mit der amtlichen Gewerbestatistik wichtig.
Das Statistische Bundesamt kommt mit einer völlig anderen Methodik ebenfalls zu einem deutlichen Anstieg.
2025 wurden in Deutschland rund 640.500 Gewerbe neu gegründet. Das waren 7,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Besonders interessant sind dabei die Betriebe, denen das Statistische Bundesamt eine größere wirtschaftliche Bedeutung zuordnet. Dazu zählen unter anderem Gründungen durch juristische Personen und Personengesellschaften sowie bestimmte Betriebe mit Handelsregistereintrag, Beschäftigten oder Handwerkskarte.
Von diesen Betrieben wurden rund 130.100 neu gegründet. Das waren 7,6 Prozent mehr als 2024.
Gleichzeitig wurden rund 99.900 solche Betriebe vollständig aufgegeben.
Wichtig ist: Die 640.500 Gewerbeneugründungen von Destatis und die 690.000 Existenzgründungen der KfW sind nicht dieselbe Zahl und dürfen nicht miteinander verrechnet werden.
Die Untersuchungen messen unterschiedliche Dinge.
Aber sie zeigen unabhängig voneinander in dieselbe Richtung:
2025 wurde in Deutschland deutlich mehr gegründet als 2024.
Das dürfen wir auch einfach einmal als gute Nachricht stehen lassen.
Das neue Unternehmertum ist digital
Hinzu kommt eine zweite Entwicklung.
44 Prozent aller Existenzgründungen hatten 2025 nach KfW-Definition ein digitales Angebot. Damit ist gemeint, dass Kunden digitale Technologien benötigen, um das angebotene Produkt oder die Dienstleistung nutzen zu können.
Natürlich ist nicht jede digitale Gründung das nächste SAP.
Ein Onlineshop ist ebenfalls digital.
Und nicht jeder Mensch mit Laptop ist automatisch ein Tech-Unternehmer.
Darum geht es nicht.
Technologie hat aber in vielen Bereichen die Eintrittshürden massiv gesenkt.
Manche Geschäftsmodelle, für die früher Büro, Lager, Mitarbeiter und viel Startkapital notwendig waren, können heute tatsächlich am Küchentisch beginnen.
Das ist eine gewaltige Veränderung.
Und genau hier wird Technologieoffenheit konkret.
Technologieoffenheit darf nämlich nicht nur bedeuten, dass wir bei Energiefragen gegen Verbote argumentieren.
Sie muss grundsätzlich bedeuten, neuen Technologien erst einmal zuzutrauen, dass sie Möglichkeiten schaffen.
Bevor der politische Reflex einsetzt und wir darüber reden, wie etwas reguliert werden muss, sollten wir uns wieder häufiger fragen: Was können Menschen damit anfangen?
Was können sie besser machen?
Was können sie günstiger machen?
Welche neuen Unternehmen können entstehen?
Welche alten Prozesse werden vielleicht überflüssig?
Welche Probleme lassen sich lösen?
Das ist für mich ein freiheitlicher Blick auf Technologie.
Auch Wagniskapital fließt weiter in deutsche Start-ups
Auch bei größeren und kapitalintensiveren Gründungen gibt es positive Signale.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden nach KfW-Berechnung rund 5,1 Milliarden Euro Wagniskapital in deutsche Start-ups investiert.
Allein im zweiten Quartal waren es rund 3,4 Milliarden Euro. Es war das stärkste Quartal seit dem zweiten Quartal 2022.
Auch hier sollten wir uns die Zahlen nicht schönreden.
Sieben Finanzierungsrunden von jeweils mehr als 100 Millionen Euro haben das Ergebnis stark geprägt. Im zweiten Quartal wurden lediglich 86 Transaktionen ab einer Million Euro erfasst. Im gesamten ersten Halbjahr waren es 184.
Die KfW sagt deshalb selbst: Beim Dealvolumen besteht weiterhin Luft nach oben.
Trotzdem zeigt die Zahl etwas.
Auch in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld können deutsche Start-ups weiterhin sehr große Finanzierungsrunden einwerben.
Kapital ist vorhanden.
Ideen sind vorhanden.
Gründer sind vorhanden.
Das Problem Deutschlands ist also offenbar nicht, dass hier grundsätzlich niemand mehr etwas aufbauen möchte.
Machen wir uns trotzdem nichts vor
Wir erleben keinen neuen Gründerboom wie zu Beginn der 2000er-Jahre.
2002 zählte die KfW noch rund 1,5 Millionen Existenzgründungen.
Davon sind wir weit entfernt.
Auch der starke Anstieg von 2025 darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass er fast vollständig aus dem Nebenerwerb kommt.
Die Vollerwerbsgründungen stagnieren weitgehend.
Und aus einem Nebenerwerb wird nicht automatisch ein großer Mittelständler.
Das gehört zur Wahrheit dazu.
Wir sollten uns davor hüten, positive Zahlen genauso unseriös aufzublasen, wie wir es anderen bei schlechten oder politisch gewünschten Zahlen vorwerfen.
Aber genau deshalb ist der Befund am Ende sogar interessanter.
Denn Deutschland bietet Gründern sicherlich nicht die besten Rahmenbedingungen der Welt.
Unsere Wirtschaft schwächelt.
Die Bürokratie ist hoch.
Steuern und Abgaben sind hoch.
Planungs- und Genehmigungsverfahren sind vielfach zu langsam.
Und trotzdem entscheiden sich wieder deutlich mehr Menschen dafür, etwas Eigenes auszuprobieren.
Der Wille ist also da.
Das ist entscheidend.
Dann kommen wir zur Handbremse
Und hier wird es politisch.
Gründer arbeiteten 2025 nach der KfW-Erhebung im Durchschnitt etwa 24 Stunden pro Woche für ihre Selbstständigkeit.
Davon entfielen durchschnittlich 5,1 Stunden auf die Erfüllung gesetzlicher und regulatorischer Anforderungen.
Im Vollerwerb waren es 45 Wochenstunden insgesamt, im Nebenerwerb 16 Stunden. Die KfW weist ausdrücklich darauf hin, dass die regulatorische Belastung sehr ungleich verteilt ist und die Medianwerte deutlich niedriger liegen. Besonders stark betroffen sind Gründungen mit Beschäftigten.
Und auch hier müssen wir sauber bleiben.
Nicht jede Minute davon ist sinnlose Bürokratie.
Natürlich brauchen wir Steuererklärungen.
Natürlich brauchen wir Arbeitsschutz.
Natürlich brauchen wir Produktsicherheit.
Natürlich braucht eine funktionierende Marktwirtschaft Regeln.
Eigentumsrechte müssen geschützt werden.
Verträge müssen durchsetzbar sein.
Betrug muss verfolgt werden.
Ein funktionierender Rechtsstaat ist keine Belastung der Marktwirtschaft, sondern ihre Grundlage.
Aber die Größenordnung zeigt eben auch, wie stark administrative Anforderungen gerade kleine Unternehmen treffen können.
Und jeder unnötige Teil davon ist verlorene Zeit.
Zeit, in der kein Kunde gewonnen wird.
Kein Produkt verbessert wird.
Keine Maschine läuft.
Kein Auftrag abgearbeitet wird.
Kein Mitarbeiter eingearbeitet wird.
Keine neue Idee entsteht.
Hier liegt für mich eines der eigentlichen Probleme unseres Landes.
Der Motor ist nicht kaputt.
Wir fahren mit angezogener Handbremse.
Wir müssen nicht jeden Menschen fördern. Wir sollten ihm erst einmal nicht im Weg stehen.
Deutschland kennt bei fast jedem wirtschaftlichen Problem denselben politischen Reflex.
Es gibt eine Regulierung.
Die Regulierung erzeugt zusätzliche Kosten.
Dann stellen wir fest, dass Unternehmen unter diesen Kosten leiden.
Und anschließend schaffen wir ein Förderprogramm, das einen Teil dieser Belastung wieder ausgleichen soll.
Für das Förderprogramm braucht man dann wiederum Anträge, Nachweise und Verwaltung.
Irgendwann beschäftigen wir ganze Abteilungen damit, Probleme zu verwalten, die wir vorher teilweise selbst erzeugt haben.
Vielleicht sollten wir öfter einen Schritt zurückgehen.
Ein Gründer braucht nicht zuerst ein Förderprogramm.
Er braucht einen Staat, der funktioniert.
Eine Verwaltung, die erreichbar ist.
Digitale Verfahren, die auch wirklich digital sind und nicht darin bestehen, ein PDF auszudrucken, zu unterschreiben und wieder einzuscannen.
Klare Regeln.
Berechenbare Steuern.
Schnelle Genehmigungen.
Rechtssicherheit.
Gute Infrastruktur.
Gute Schulen.
Sicherheit.
Und dann braucht er vor allem Raum.
Raum, seine Idee auszuprobieren.
Raum, Geld zu verdienen.
Raum, zu wachsen.
Und ja: auch Raum, Fehler zu machen.
Wir müssen nicht jeden Unternehmer an die Hand nehmen.
Wir müssen ihn öfter einfach machen lassen.
Genau hier sehe ich die Rolle der Allianz für Freiheit
Ich glaube, wir sollten uns auch selbst fragen, welches Bild wir vermitteln wollen.
Wenn Menschen bei der Allianz für Freiheit ausschließlich an die nächste Warnung, den nächsten Skandal und die nächste schlechte Entwicklung denken, ist das auf Dauer zu wenig.
Unsere Kritik mag richtig sein.
Aber Kritik alleine ist noch keine Perspektive.
Wir sind nicht deshalb für Freiheit, weil wir gerne gegen Dinge sind.
Wir sind für Freiheit, weil wir glauben, dass Menschen mit Freiheit etwas anfangen können.
Das ist ein gewaltiger Unterschied.
Wir glauben an Eigenverantwortung.
Wir glauben an die Soziale Marktwirtschaft.
Wir glauben an einen starken Rechtsstaat.
Wir glauben an Technologieoffenheit.
Und wir glauben daran, dass staatlicher Einfluss dort begrenzt werden muss, wo Menschen ihre Angelegenheiten selbst besser regeln können.
Aber dann sollten wir diese Grundsätze auch positiv erzählen.
Wir sind nicht gegen den Staat.
Wir wollen einen Staat, der seine Kernaufgaben beherrscht und seine Grenzen kennt.
Wir sind nicht gegen Regeln.
Wir wollen Regeln, die Freiheit und fairen Wettbewerb schützen, anstatt Initiative zu ersticken.
Wir sind nicht gegen gesellschaftliche Solidarität.
Wir wissen aber, dass auch Sozialstaat und Solidarität am Ende von einer Wirtschaft finanziert werden müssen, die überhaupt genügend Wohlstand erwirtschaftet.
Wir sind nicht gegen Veränderung.
Wir wollen, dass Veränderung nicht ausschließlich von oben geplant wird, sondern von Millionen Menschen entstehen kann, die bessere Ideen haben.
Und wir sind ganz sicher nicht gegen Deutschland.
Im Gegenteil.
Wir glauben, dass dieses Land erheblich mehr kann, als seine derzeitige Politik aus ihm macht.
Das sollte unser Stimmungsbild sein.
Nicht Untergang. Anspruch.
Es gibt einen Unterschied zwischen Pessimismus und Kritik.
Pessimismus sagt: Das wird sowieso nichts mehr.
Kritik sagt: Das ist nicht gut genug.
Ich möchte, dass die Allianz für Freiheit für Letzteres steht.
Wir sollten Fehlentwicklungen klar benennen. Wir sollten auch unbequem sein. Wir sollten widersprechen, wenn Freiheit eingeschränkt wird, wenn der Staat immer weiter wächst oder wenn politische Ideologie wirtschaftliche Realität ersetzen soll.
Aber wir sollten niemals den Fehler machen, dieses Land abzuschreiben.
Denn wenn wir selbst nicht mehr daran glauben, dass Deutschland es besser kann – warum sollten wir uns dann überhaupt engagieren?
Die Zahlen zur Gründungstätigkeit zeigen etwas, das mir Hoffnung macht.
Nicht Hoffnung auf irgendein politisches Programm.
Sondern Hoffnung auf die Menschen in diesem Land.
690.000 Menschen haben 2025 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.
40 Prozent der Gründer waren jünger als 30 Jahre.
44 Prozent der Gründungen hatten digitale Angebote.
Die amtliche Gewerbestatistik zeigt ebenfalls deutlich steigende Neugründungen.
Und auch 2026 wird weiterhin Milliardenkapital in deutsche Start-ups investiert.
Das löst unsere Probleme nicht.
Aber es zeigt, dass die Substanz vorhanden ist.
Menschen haben Ideen.
Menschen wollen arbeiten.
Menschen wollen etwas Eigenes besitzen.
Menschen wollen mehr verdienen.
Menschen sind bereit, Risiken einzugehen.
Menschen wollen Unternehmen aufbauen.
Das ist kein Land, das aufgegeben hat.
Deutschland ist besser als seine Politik
Ich glaube, genau diesen Satz sollten wir uns merken.
Deutschland ist besser als seine Politik.
Das ist keine Entschuldigung für schlechte Politik.
Ganz im Gegenteil.
Es ist der Grund, warum wir bessere Politik verlangen.
Gesetze können wir ändern.
Bürokratie können wir abbauen.
Steuern können wir reformieren.
Verfahren können wir vereinfachen.
Verwaltungen können wir digitalisieren.
Politische Mehrheiten ändern sich.
Aber Unternehmergeist lässt sich nicht per Gesetz anordnen.
Eigenverantwortung kann man nicht mit einem Förderbescheid erzeugen.
Mut lässt sich nicht subventionieren.
Wenn diese Dinge aus einer Gesellschaft verschwunden wären, hätten wir ein viel größeres Problem.
Die gute Nachricht ist:
Sie sind nicht verschwunden.
Der Gründergeist lebt.
Und deshalb sollte die Antwort der Allianz für Freiheit nicht darin bestehen, dem Staat das nächste Förderprogramm für Gründer vorzuschlagen.
Unsere Antwort sollte viel einfacher sein.
Schaffen wir verlässliche Rahmenbedingungen.
Schützen wir Eigentum.
Machen wir den Staat wieder leistungsfähig in seinen Kernaufgaben.
Reduzieren wir unnötige Bürokratie.
Lassen wir neue Technologien zu.
Und vertrauen wir den Menschen wieder etwas mehr zu.
Deutschland braucht nicht noch jemanden, der den Menschen erklärt, wie sie ihr Land neu erfinden sollen.
Sie tun es längst.
Lassen wir sie machen.
Quellen
- KfW Research: KfW-Gründungsmonitor 2026 – Gründungstätigkeit, Nebenerwerb/Vollerwerb, Altersstruktur, Digitalisierung und regulatorischer Aufwand.
- Statistisches Bundesamt: Gewerbeneugründungen 2025 – Amtliche Gewerbeanzeigenstatistik; Neugründungen und vollständige Aufgaben.
- KfW Research: Deutscher Wagniskapitalmarkt Q2/2026 – Venture-Capital-Investitionen in deutsche Start-ups im ersten Halbjahr und zweiten Quartal 2026.
- KfW: Junge Gründerinnen und Gründer prägen die Gründerszene – Altersstruktur und Entwicklung des Anteils der unter 30-Jährigen.
- Allianz für Freiheit: Öffentliche Selbstdarstellung – Grundpositionen zu Freiheit, Eigenverantwortung, Sozialer Marktwirtschaft, Technologieoffenheit und staatlichem Einfluss.
Hinweis zur Faktenbasis: Die zentralen Zahlen stammen aus Primärquellen von KfW Research und Destatis. KfW-Existenzgründungen und Destatis-Gewerbeneugründungen beruhen auf unterschiedlichen Definitionen und werden im Text ausdrücklich nicht gleichgesetzt oder addiert.
