Christenverfolgung und das Schweigen Europas
Ein orthodoxer Mönch wird in einem ukrainischen Kloster erstochen. In Nigeria werden Tausende Christen getötet. In Frankreich werden Kirchen geplündert, geschändet und angezündet. Und währenddessen verliert Europa zunehmend den Bezug zu seinem eigenen christlichen Fundament. Das ist keine Entwicklung, die man achselzuckend zur Kenntnis nehmen sollte – es ist maximal besorgniserregend.
Ein ermordeter Mönch im ukrainischen Kloster
Es beginnt mit einer Nachricht, die in Deutschland kaum jemanden zu interessieren scheint.
Am 23. August 2026 wurde in der Swjatohirsker Mariä-Entschlafens-Lawra im ukrainischen Donezk-Gebiet der orthodoxe Mönch Warsonofij Turyanskyi getötet. Zwei weitere Menschen wurden bei dem Messerangriff schwer verletzt. Die Hintergründe und das Motiv sind unbekannt und müssen vollständig aufgeklärt werden.
Ein Mönch wird in einem Kloster ermordet.
Und die große Empörung?
Sie bleibt aus.
Das ist bemerkenswert. Aber vielleicht ist es auch symptomatisch?
Wenn Christenverfolgung kaum wahrgenommen wird
Denn während Christen in anderen Teilen der Welt um ihr Leben fürchten müssen, verliert das Christentum ausgerechnet dort an Bedeutung, wo seine Tradition die Gesellschaft über Jahrhunderte geprägt hat: in Europa.
Die Krise der europäischen Kirchen
Ulf Poschardt hat kürzlich eine bemerkenswerte Diagnose gestellt. Die evangelische Kirche sei zur „Freakshow“ aus „Woke-Shit-Show geworden. Das ist zugespitzt, aber wenn ich an die vergangenen Workshops bei evangelischen Kirchentagen, die sich intensiv mit dem Vulven malen und Kampf gegen rechts leidenschaftlich auseinandersetzen, vielleicht auch sehr treffend. Vielleicht braucht es genau diese Zuspitzung, um eine Entwicklung sichtbar zu machen, die sich längst nicht mehr übersehen lässt.
Kirchen werden leerer. Gemeinden verschwinden. Traditionen werden aufgegeben. Christliche Symbole werden mitunter als peinlich empfunden (ich trage mein Kreuz um den Hals stets gerne für jedermann sichtbar). Und Teile des kirchlichen Establishments beschäftigen sich lieber mit politischen und gesellschaftlichen Modethemen, als die zentrale Frage zu beantworten:
Was ist eigentlich noch christlich an unseren Kirchen?
Das wäre zunächst ein innerkirchliches Problem.
Islamismus als gesellschaftliche Herausforderung
Es wird aber zu einem gesellschaftlichen Problem, wenn gleichzeitig eine andere politische und religiöse Strömung zunehmend selbstbewusster auftritt: der Islamismus.
Dabei muss man sehr genau unterscheiden.
Der Islam ist nicht der Islamismus. Muslime sind nicht zwingend Islamisten.
Millionen Muslime leben friedlich in Europa. Daraus folgt aber nicht, dass Islamismus ungefährlich wäre. Ganz im Gegenteil. Wir haben ein brandgefährliches Islamismus-Problem. Insbesondere in Deutschland!
Islam und Islamismus sind nicht dasselbe
Islamismus ist eine politische Ideologie. Sie will Religion zur Grundlage gesellschaftlicher und politischer Ordnung machen und steht dort, wo sie demokratische Grundrechte, Rechtsstaatlichkeit oder die Gleichberechtigung der Menschen ablehnt, im direkten Widerspruch zu unserer freiheitlichen Ordnung.
Wer das nicht aussprechen möchte, hilft weder Christen noch Muslimen.
Und vor allem hilft er nicht der offenen Gesellschaft.
Christenverfolgung weltweit
Ein Blick auf die Welt sollte eigentlich genügen, um aufzuwachen.
Open Doors zufolge leben weltweit rund 388 Millionen Christen unter schwerer Verfolgung oder Diskriminierung. Nigeria gehört zu den Ländern, in denen Christen besonders massiv verfolgt werden. Für den Erhebungszeitraum der World Watch List 2026 wurden dort 3.490 getötete Christen dokumentiert.
Das sind keine abstrakten Zahlen. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch.
Ein Vater. Eine Mutter. Ein Kind…
Ein Mensch mit einem Namen.
Warum interessiert Christenverfolgung Europa so wenig?
Und dennoch ist die Christenverfolgung in Europa erstaunlich wenig präsent.
Der Aufschrei wäre völlig zu Recht gewaltig.
Warum sollte das Leben eines Christen weniger wert sein?
Warum wird Christenverfolgung so häufig zur Randnotiz?
Und warum scheint gerade Europa Schwierigkeiten damit zu haben, seine eigene religiöse und kulturelle Herkunft überhaupt noch ernst zu nehmen?
Angriffe auf Kirchen mitten in Europa
Man muss dabei nicht einmal nach Nigeria oder in die Ukraine schauen.
Ein Blick nach Frankreich genügt.
Dort werden Kirchen seit Jahren Opfer von Diebstahl, Vandalismus, Schändungen und Brandstiftungen. Kreuze werden beschädigt, Heiligenfiguren zerstört, Tabernakel aufgebrochen und sakrale Gegenstände gestohlen.
Christliche Gotteshäuser werden angegriffen.
Und zwar nicht irgendwo auf der Welt, sondern mitten in Europa.
Wenn Angriffe zur Gewohnheit werden
Was früher undenkbar schien, wird zunehmend zur Nachricht, an die man sich offenbar gewöhnen soll.
Eine Kirche brennt.
Eine Marienstatue wird zerstört.
Ein Tabernakel wird aufgebrochen.
Ein Friedhof wird geschändet.
Ein Kreuz wird umgestürzt.
Ein paar Tage Empörung. Dann die nächste Nachricht. Dann weiter im Tagesgeschäft.
Bestürzung, Empörung und am Ende nichts?
Wie beschrieb es Franz-Josef Strauß abermals so passend:
„Bestürzung und Empörung folgen auf die Tat, woraufhin Forderungen nach Härte und Warnungen vor Überreaktionen laut werden, bis letztlich gar nichts passiert und der Alltag zurückkehrt.“
Analog kennen wir dieses Muster nach all den letzten Anschlägen und Schreckenstaten.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Gefahr: nicht nur in der Tat selbst, sondern in der Gewöhnung.
Die Gefahr der Gewöhnung
Denn eine Gesellschaft verändert sich nicht erst dann, wenn Kirchen brennen.
Sie verändert sich bereits dann, wenn niemand mehr fragt, warum eigentlich.
Und natürlich wäre es unseriös, jede Sachbeschädigung an einer Kirche dem Islamismus zuzuschreiben.
Aber ebenso unseriös wäre es, die Augen vor einem real existierenden islamistischen Milieu zu verschließen, das religiösen Hass, Gewalt und die Ablehnung westlicher Freiheitswerte propagiert.
Islamismus klar benennen
Wer diese Gefahr benennt, ist kein Islamfeind.
Er beschreibt eine brandgefährliche politische Ideologie.
Und genau deshalb muss Europa aufpassen.
Das ist keine Hetze.
Das ist eine Warnung.
Was will Europa verteidigen?
Der Westen muss sich entscheiden, was er sein will.
Eine Gesellschaft, die ihre Kirchen leert, ihre Geschichte vergisst und ihr eigenes kulturelles Fundament zunehmend als Belastung betrachtet?
Oder eine Gesellschaft, die wieder versteht, dass Freiheit, Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit verteidigt werden müssen – auch gegen jene, die diese Prinzipien ablehnen?
Das christliche Fundament Europas
Denn wir leben auf einem Kontinent, dessen Werteordnung maßgeblich vom Christentum geprägt wurde.
Menschenwürde, Nächstenliebe, Barmherzigkeit und die Vorstellung von der Gleichheit aller Menschen sind nicht aus dem Nichts entstanden.
Und während wir dieses Fundament zunehmend für selbstverständlich halten oder uns sogar dafür schämen, wird es in anderen Teilen der Welt mit dem Leben verteidigt.
Religionsfreiheit ist unteilbar
In der Ukraine starb nun ein orthodoxer Mönch in einem Kloster.
In Nigeria sterben Christen wegen ihres Glaubens.
In Frankreich werden Kirchen geschändet und angegriffen.
Und gleichzeitig diskutieren wir darüber, ob christliche Symbole noch zeitgemäß sind.
Vielleicht sollten wir langsam aufwachen.
Nicht, weil Christen bessere Menschen wären.
Sondern weil Religionsfreiheit unteilbar ist.
Menschenrechte dürfen nicht selektiv sein
Wer zu Recht gegen Antisemitismus demonstriert, muss auch Christenverfolgung benennen.
Wer Religionsfreiheit verteidigt, darf nicht danach unterscheiden, welcher Religion das Opfer angehört.
Und wer Menschenrechte für unteilbar hält, muss sie auch dort verteidigen, wo es politisch unbequem wird.
Was geschieht mit einer Gesellschaft ohne Fundament?
Die Frage ist deshalb längst nicht mehr nur, was mit unseren Kirchen geschieht.
Die Frage lautet:
Was geschieht mit einer Gesellschaft, die vergisst, warum sie überhaupt Freiheit, Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit für schützenswert hält?
Wer sein eigenes kulturelles und religiöses Fundament aufgibt, schafft keinen wertfreien Raum. Er schafft ein Vakuum.
Und die Geschichte lehrt uns:
Vakuum bleibt nicht lange leer.
Zeit, wieder über das Christentum zu sprechen
Vielleicht ist es deshalb an der Zeit, wieder über das Christentum zu sprechen.
Nicht als Folklore. Nicht als Museumsstück.
Nicht als peinliches Relikt einer vergangenen Epoche. Sondern als einen wesentlichen Teil dessen, was Europa zu dem gemacht hat, was es heute ist.
